Teaching

Aktuelle Kurstermine, -materialien und -hinweise auf https://elearning.uni-bremen.de/ – Allgemeine Hinweise zur Lehre an der Theoretischen Philosophie, Uni Bremen: https://www.uni-bremen.de/philosophie/forschung/theoretische-philosophie/lehre

Seminars / Seminare

SoSe 2021 (Bremen): Philosophie der Künstlichen Intelligenz (Bachelor- und Master-Seminar)

Durch das angebotene Seminar soll Philosophiestudierenden im Bachelor ein rascher Einstieg in die Philosophie der Künstlichen Intelligenz ermöglicht werden. Der Bereich der Künstlichen Intelligenz gilt als das entscheidende technologische Zukunftsfeld schlechthin. Auch Philosophen sind dazu aufgerufen, in dieser Entwicklung konstruktv-kritisch mitzuwirken —- gerade, wenn es ums Wesen Künstlicher Intelligenz und künstlichen Bewusstseins, um die Transparenz und Verständnis von Algorithmen und intelligenter Systeme und ethische Fragen in der Übertragung von Aufgaben an eben diese geht.

Für die konkrete Durchführung ist vorgesehen, dass sich Phasen eines Selbststudiums im Tandem unter Zuhilfenahme von Open Educational Resources des KI-Campus (https://ki-campus.org/) mit Phasen virtueller Präsenz der gesamten Seminargruppe, u.a. mit Gästen aus Praxis und Wissenschaft, abwechseln.

Die virtuellen Präsenzveranstaltungen der gesamten Seminargruppe (Videokonferenzen via Zoom) dienen der Festigung und Vertiefung der jeweils zuvor selbstständig im Tandem erlernten Inhalte; insbesondere sollen gerade die Sitzungen mit Gästen aus Wissenschaft und Praxis aber auch die Relevanz der Inhalte deutlich machen. Dank Industrie-, lokaler und internationaler Universitätskontakten ist es hierbei möglich, den Teilnehmenden direkte Gespräche mit Ethikern, Futuristen, Informatikern aus Theorie und Praxis, Wissenschaftsphilosophen und Unternehmern anzubieten.

SoSe 2021 (Bremen): Philosophie der Quantenmechanik (Bachelor- und Master-Seminar)

Im Formalismus der Quantenmechanik wird der Zustand eines Systems durch Vektoren ausgedrückt. Die zeitliche Entwicklung des Systems wird durch eine Bewegungsgleichung (Schrödingergleichung) für diese Vektoren beschrieben; diese hat die generische Eigenschaft, einen Vektor A zum Zeitpunkt t in einen Vektor A’ zum Zeitpunkt t’ zu entwickeln, sodass A’ die Summe aus Vektor A sowie aus einem anderen Vektor B darstellt. (Diese Summe heißt Superpositionszustand.) Das sogenannte Messproblem der Quantenmechanik besteht nun in dem Widerspruch, dass wir, zumindest in der makroskopischen Welt, niemals solche Überlagerungszustände von Systemen zu beobachten scheinen. Um im bekannten Bild von Schrödingers Katze zu sprechen: eine Katze, die wir zum Zeitpunkt t im Zustand A: `lebend’ sehen, sehen wir niemals zum Zeitpunkt t’ im überlagerten Zustand A: `lebend’ und B: `tot’. Ja, es ist nicht einmal unmittelbar klar, wie so ein überlagerter Zustand überhaupt zu verstehen ist. Einfach zu sagen, dass Quantenmechanik nicht fürs Makroskopische gilt ist keine Lösung: letztendlich müssen ihre Aussagen mit den eindeutigen Zuständen von  makroskopischen Messapparaturen in Einklang gebracht werden und eine Verbindung zum Makroskopischen daher zwangsläufig hergestellt werden.

Die Lösungsvorschläge zum Messproblem werden als Interpretationen der Quantenmechanik bezeichnet; sie verfahren typischerweise durch Negation einer der drei eben geschilderten Grundannahmen — (1) Zustandsbeschreibung durch Vektoren, (2) zeitliche Entwicklungsbeschreibung durch die Schrödingergleichung, und (3) determinierte makroskopische Zustände — die ja auch nur zusammen genommen zum Widerspruch führen. Zu diesen Interpretationen zählt auch die aus der Populärkultur mittlerweile bekannte Viele-Welten-Interpretation, die etwa Punkt (3) negiert. Da die verschiedenen Interpretationen der Quantenmechanik fast alle empirisch äquivalent, oder zumindest für alle praktische Zwecke empirisch äquivalent sind, müssen die Interpretationen anhand ihrer ontologischen und theoretischen Charakteristika untersucht und letztlich bewertet werden.

Im Seminar soll insbesondere in das eben geschilderte Messproblem und die daraus resultierenden Interpretationen der Quantenmechanik eingeführt werden. Dabei werden die Querverbindungen der Philosophie der Quantenmechanik zu allgemeineren wissenschaftstheoretischen Fragen (Problem empirischer Unterbestimmtheit, Theorienwahl) und metaphysischen Fragen (Zufall, Determinismus, Emergenz, Ontologie einer physikalischen Theorie) im Vordergrund stehen.

Das Seminar richtet sich vor allem an Masterstudierende mit Interesse an Naturphilosophie, Metaphysik und Wissenschaftstheorie. Es sind keine besonderen Physik- oder Mathematikkenntnisse vorausgesetzt.

WiSe 2020/21 (Bremen): Erkenntnistheorie (Bachelor-Blockseminar)

Das Seminar führt in die zentralen Fragen (Was ist Wissen? Können wir überhaupt etwas wissen? Wenn doch, welche Quellen von Wissen gibt es? Durch was ist Wissen gerechtfertigt? …) und Positionen der Erkenntnistheorie ein. Am Ende des Seminars werden zudem aktuelle Probleme der Erkenntnistheorie (Verschwörungstheorien, Filterblase, Zeugenberichte, Simulationsargument) thematisiert und mit den klassischen Problemen der Erkenntnistheorie in Bezug gesetzt.

WiSe 2020/21 (Bremen): Theorienentwicklung und -verfolgung (Master-Blockseminar)

Das wissenschaftstheoretische Themenfeld der Entwicklung und -verfolgung von (natur)wissenschaftlichen Theorien (engl.: theory generation and pursuit) leidet bis heute unter dem bereits bei logischen Empiristen und Popper verbreitetem (Vor)Urteil, keine Regelmäßigkeiten aufzuweisen, die über das Schildern soziologischer, psychologischer oder ökonomischer Aspekte hinausgehen. Im Seminar soll anhand vielversprechender Kandidaten untersucht werden, in welchem Sinne eine systematische Meta-Theorie zur Theorienentwicklung und -verfolgung möglich sein kann. Im ersten Teil des Seminars wird der notwendige Hintergrund geklärt: wir diskutieren die Kontext- Unterscheidung ”Kontext der Entdeckung“ vs. ,,Kontext der Bestätigung“ sowie die damit verbundenden Grundprobleme einer analytisch-wissenschaftstheoretischen Philosophie der Entdeckung. Darüber hinaus machen wir uns mit den allgemeinen Grundauffasungen zu Theorienwechsel in den Naturwissenschaften vertraut (Popper, Kuhn, Lakatos, Feyerabend). Im zweiten Teil des Seminars betrachten wir konkrete systematische Auffassungen zur Theorienentwicklung. Dabei beschäftigen wir uns inbesondere mit der Debatte um die Möglichkeit einer ,,Logik“der Entdeckung, der Idee einer ,,Rationalen Rekonstruktion“von Theorienwechseln und der Rolle von Heuristiken. Auf allgemeiner Ebene diskutieren wir hierbei auch den Kreativitäts-Begriff in der Entwicklung von wissenschaftlichen Theorien. Im dritten Teil des Seminars diskutieren wir die Rolle von Werten und Prinzipien in der Auswahl bis- lang empirisch unbestätigter Hypothesen/Theorien aus einem Pool zahlloser (!) Alternativen zwecks weiterer Entwicklung (,,Theorienverfolgung“). Als besonderer Teil dieses Seminars wird eine informelle Gesprächsrunde mit Forscherinnnen aus dem Bereich der Quantengravitation angeboten, die die Relevanz solcher Prinzipien und Werte in der Suche nach einer Theorie der Quantengravitation darstellen werden. (Keine Physikvorkenntnisse erforderlich.)

SoSe 2020 (Bremen): Philosophie des Geistes (Bachelor-Seminar)

In der Philosophie des Geistes werden grundsätzliche systematische Fragen zum Wesen und Erkennbarkeit von Geist und Seele und ihrer Beziehung zum Körperlich-Physikalischen erörtert. In diesem Seminar sollen anhand von Primärtexten folgende zentrale Themen einführend behandelt werden: Leib-Seele-Problem – Formen von Dualismus und Monismus (interaktionistischer und nicht-interaktionistischer Dualismus; psychophysische Identitätstheorie, Funktionalismus, eliminativer Materialismus, etc.) – Willensfreiheit – Merkmale des Geistigen (Intentionalität, Qualia) – Problem des `Fremdpsychischen’. Das Seminar richtet sich insbesondere – aber nicht ausschließlich – an Bachelorstudierende der Philosophie unterer Semester.

SoSe 2020 (Bremen): Metaphysik der Wissenschaften (Master-Seminar)

Bloße Lehnstuhl-Philosophie zu betreiben, nichts als konzeptuelle Wortklaubere zu veranstalten, und, wenn überhaupt, nur wissenschaftliche Erkenntnisse auf dem Niveau der gymnasialen Oberstufe einfließen zu lassen – so lauten verbreitete (Vor)Urteile gegenüber der sogenannten analytischen Metaphysik, die Konzepte wie Fundamentalität, Kausalität, metaphysische Erklärung (`grounding’), und Modalität (Begriffe von Notwendig- und Möglichkeiten) (sprach)analytisch durchleuchtet. Demgegenüber wird häufig die Idee einer naturalistischen Metaphysik gestellt, die metaphysische Fragen und Antworten in erster Linie an unseren besten wissenschaftlichen Theorien (insbesondere der Physik) orientieren will.
Im ersten Teil des Seminars werden zentrale metaphysische Themen wie die Frage nach der Natur von Raum und Zeit, Wahrscheinlichkeiten, Kausalität, und Fundamentalität unter Rückgriff auf Erkenntnisse der Naturwissenschaften, insbesondere der Physik, behandelt. Dazu werden Exkursionen in die Quantenmechanik und Relativitätstheorie unternommen, die aber keinerlei Vorwissen erfordern.
Der zweite Teil des Seminars dreht sich dann explizit um meta-metaphysische Fragen zum Wesen und Nutzen naturalistischer Metaphysik – auch in Abgrenzung zur reinen analytischen Metaphysik.
Das Seminar richtet sich vor allem – aber nicht ausschließlich – an fortgeschrittene Studierende der Philosophie.

Autumn 2018 (Geneva): Philosophy of Cosmology (with Karen Crowther and Chris Wüthrich)

The philosophy of physics deals with methodological, epistemological, and metaphysical issues in physics. This seminar has the dual purpose of systematically introducing the background necessary to do research in philosophy of physics as well as discussing current research in the field. The focus of the seminar this semester will be on the philosophy of cosmology. Cosmology is the study of the universe as a whole, and deals with questions about its origins (e.g., regarding the ‘big bang’, and what happened before and after it), its large-scale structure and nature (e.g., is our universe one of many in an infinite ‘multiverse’?), the laws that govern its evolution, and its eventual fate (e.g., the ‘heat death’). The philosophy of cosmology engages with the best science that seeks to answer these questions, inquiring into its claims, reasoning and methods. The seminar will thus discuss questions such as the underdetermination of theory by data, the origins of the universe (including inflationary scenarios), anthropic forms of reasoning, the possibility of a ‘multiverse’, and the limits of scientific methodology as they are tested in cosmology. The regular seminar will be interspersed with talks by leading experts on their current research in the philosophy of physics. See http://wuthrich.net/teaching/_MA6_PhilPhys_2018.html